Änderungen

 

Ein fester monatlicher Betrag von Vater Staat, beispielsweise 2.000 Euro, ohne dass daran irgendwelche Bedingungen geknüpft sind – kann das funktionieren? Mit dieser Idee beschäftigen sich Politiker und Ökonomen, aber auch Unternehmer weltweit.

Graue Theorie? Von wegen, am 5. Juni stimmen die Schweizer über den Vorschlag ab, jedem Bürger ein staatliches Grundeinkommen zu gewähren. Im Text der Initiative zu diesem Vorhaben heißt es: „Das Grundeinkommen soll der ganzen Bevölkerung ein menschenwürdiges Dasein und die Teilnahme am öffentlichen Leben ermöglichen“. Im kanadischen Ontario will man im Laufe dieses Jahres ebenfalls ein Experiment mit einem Basiseinkommen starten. Im niederländischen Utrecht läuft ein Pilotprogramm und Finnland plant einen zweijährigen Versuch.

 

Modell für reife Volkswirtschaften

Vorschläge zum Grundeinkommen gibt es in den unterschiedlichsten Variationen. Progressive Befürworter sehen darin das Beste, was eine hoch entwickelte Volkswirtschaft erreichen kann: Einen Weg, um Armut und Ungleichheit abzubauen sowie den Schmerz eines Arbeitsplatzverlusts und wirtschaftlicher Stagnation zu lindern. Gegner halten solche Vorschläge für naiv und meinen, sie würden von praktikableren Maßnahmen, etwa einen höheren Mindestlohn, ablenken.

Viele Befürworter verweisen darauf, dass sich ein enormer Verwaltungsaufwand einsparen ließe. Denn Dutzende von Sozialleistungen würden schließlich jedes Jahr Milliarden verschlingen, die besser in ein Grundeinkommen investiert werden sollten. Ohne Prüfung der Anspruchsberechtigung könnten die Verwaltungskosten auf ein Minimum reduziert werden. Außerdem würde man Verschwendung, Betrug und Missbrauch weitgehend vermeiden können.

 

Faulenzen oder weiterarbeiten?

Auch in den USA ist das bedingungslose Grundeinkommen ein aktuelles Thema. So startet zum Beispiel im Silicon Valley Y Combinator, ein Venture-Capital-Unternehmen, ein Fünf-Jahres-Projekt in dieser Richtung. Dabei erhält eine nach dem Zufallsprinzip ausgewählte Gruppe von Mitarbeitern monatlich einen bestimmten Betrag, für den sie keine Gegenleistung erbringen müssen. Mit dem Projekt will das Unternehmen herauszufinden, ob die ausgewählten Personen sich auf die faule Haut legen oder weiter arbeiten und wirtschaftliche Werte schaffen.

Die von Skeptikern geäußerte Sorge, dass Menschen mit einem garantierten Grundeinkommen zu Faulenzern werden, dürfte unbegründet sein. Versuche, die in den 1970er-Jahren in Kanada gemacht wurden, wiesen auf das Gegenteil hin: Studenten, die das Basiseinkommen erhielten, waren gesünder und schlossen das Studium erfolgreicher ab. Vollzeit-Erwerbstätige arbeiteten genauso viele Stunden wie vorher, mit einer Ausnahme: Frauen, die gerade ein Baby bekamen, nahmen sich eine Auszeit, was vollkommen nachvollziehbar ist.

 

Kaum Chancen für ein Schweizer Ja

Spricht sich bei der Abstimmung am 5. Juni eine Mehrheit der Eidgenossen für das bedingungslose Grundeinkommen aus, soll ein Gesetz die Einzelheiten regeln, vor allem Höhe und Finanzierung des Grundeinkommens. Im Gespräch sind 2.500 Franken pro Erwachsenen und 625 Franken pro Kind. Im Gegenzug sollen andere staatliche Sozialleistungen wegfallen, also Renten-, Sozialhilfe- und Arbeitslosenzahlungen. Kritiker halten ein solches Grundeinkommen für nicht finanzierbar, während laut Befürwortern bei einer intelligenten Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums keine Steuererhöhungen für die Finanzierung notwendig wären.

Verfechter des Grundeinkommens verweisen außerdem darauf, dass damit die sozialen Folgen der digitalen Revolution gemildert werden könnten. Schließlich sei die Robotisierung der Welt längst im Gange – und Roboter kaufen keine Produkte. Dennoch stehen die Chancen für eine Zustimmung der Schweizer schlecht: Bei der jüngsten Umfrage sprachen sich lediglich 15 Prozent dafür aus, sicher mit Ja zu stimmen. Dagegen gaben 56 Prozent an, sicher mit Nein zu stimmen. Vielleicht ist einfach die Zeit noch nicht reif für das bedingungslose Grundeinkommen.

 

PDF Download

Fatal error: Call to undefined function TellAFriend() in /kunden/378420_80636/privatebanking/wp-content/themes/wordpress-bootstrap-master/single.php on line 108