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Diverse Prognosen sagen jetzt ein geringeres Wirtschaftswachstum in Europa voraus. Faktisch hat jedoch nur die Unsicherheit zugenommen. Was das mittelfristig bedeutet, liegt in den Händen der verantwortlichen Politiker und ist insofern beim besten Willen nicht prognostizierbar. Positiv formuliert besitzen die Staatsregierungen jetzt wieder mehr Handlungsfreiheit. Die Frage, wie wir uns ein gemeinsames Europa vorstellen und wie Nachbarstaaten angebunden werden, ist grundsätzlich wieder offen. Bezogen auf den Aktienmarkt können die bisherigen Marktreaktionen als ungewöhnlich differenziert angesehen werden. Einige Aktien hielten sich trotz Brexit sehr stabil, andere verloren zweistellig.

 

Hintergrund ist, dass sich das weltweite Konsumverhalten jetzt sicher nicht nachhaltig ändern wird. Das bedeutet, dass das wirtschaftliche Gesamtumfeld vom Brexit kaum tangiert wird. Entsprechend mussten international aufgestellte Unternehmen aus den Branchen Pharma, Nahrungsmittel oder zum Beispiel Maschinenbau kaum unter Kursrückgängen leiden. Was sich allerdings ändert, sind die regulatorischen Rahmenbedingungen. Branchen die auf solche Veränderungen sehr empfindlich reagieren, sind an den Börsen eingebrochen. Betrachten wir als Beispiel die europäischen Banken. Hier war die Zugehörigkeit Großbritanniens zur EU von besonderem Vorteil. Innerhalb der EU gilt der sogenannte „Europäische Pass“ für Banken und Finanzdienstleister. Besitzt ein Institut eine Banklizenz in einem EU-Staat, so darf es vereinfacht gesprochen agieren, als hätte es in allen EU-Mitgliedstaaten eine Lizenz. Im Vertrauen auf diesen Pass konnten Banken Teile ihres Geschäftsfeldes effizient in London ansiedeln. Mit dem Austritt Großbritanniens aus der EU werden hier die Karten neu gemischt. Auf eine ohnehin schon in der Krise befindliche Branche kommt der nächste Stress-Test zu.

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