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Zwei Wochen ist es her, als sich die Vertreter der Ölförderländer in Doha trafen, um über eine Begrenzung der Ölproduktion zu verhandeln. Man konnte sich nicht einigen und viele Experten befürchteten, dass die Notierungen für das flüssige Gold wieder in den Keller gehen werden. Doch es kam anders: Nach einem kurzen Rücksetzer zog der Preis wieder an als wäre nichts gewesen. Nun fragt sich so mancher Beobachter, warum der Ölmarkt das negative Ergebnis von Doha so gut verdaut hat.

 

Die Mär von der „Ölflut“

Mitte Januar kostete der begehrte Rohstoff noch rund 40 Prozent weniger als heute. Zu diesem Zeitpunkt prognostizierten einige Analysten sogar einen Rückgang auf 15 oder zehn Dollar je Barrel. Begründet wurden diese Voraussagen mit der angeblich vorherrschenden Ölflut, welche die Notierungen unweigerlich weiter drücken würde. Da das globale Ölangebot die globale Ölnachfrage aber nie um mehr als 1,5 bis zwei Prozent überstieg, war der Ausdruck „Ölflut“ aber wohl schon damals unangemessen. Mittlerweile ist der Angebotsüberschuss kleiner geworden – und dürfte noch kleiner werden. Warum ist das so?

 

Weltweites Ölangebot schrumpft

Zum einen sinkt ungeachtet der Förderausweitung des Iran das Ölangebot, weil vor allem US-Frackingfirmen ihre Produktion kräftig einschränken. US-Energieminister Ernest Moniz rechnet für das kommende Jahr mit einer Stabilisierung des Ölmarktes. Bis dahin hätten Nachfrage und Angebot ein neues Gleichgewicht gefunden, sagte Moniz nach einem Treffen der Energieminister der sieben führenden Industriestaaten (G7) in der japanischen Stadt Kitakyushu. Die US-Produktion werde als Folge des Ölpreisverfalls im laufenden Jahr voraussichtlich um 600.000 Barrel pro Tag sinken.

Andere Ölproduzenten drosseln den Output ebenfalls: So wurden in Kolumbien und in Nigeria auf Grund von Terroranschlägen Ölpipelines beschädigt und deshalb außer Betrieb genommen. In Venezuela führt eine Dürre zu Stromausfällen, die auch die Ölproduktion beeinträchtigt. Zudem werden in einigen Ölstaaten umfangreiche Wartungsarbeiten durchgeführt, die Förderausfälle nach sich ziehen.

 

Globale Ölnachfrage steigt

Zum anderen nimmt die weltweite Ölnachfrage stärker zu als vorhergesagt. Das gilt insbesondere für China, wo sich die Konjunktur offensichtlich gefangen hat und dementsprechend die Ölnachfrage anzieht. Doch die USA verbrauchen gleichfalls deutlich mehr als erwartet, wie am Abbau der Ölbestände und dem Boom der spritfressenden Autos sichtbar wird. In Amerika zeigt sich der klassische Marktmechanismus: Sinkende Preise erhöhen die Nachfrage. Dies trifft natürlich auch auf andere Länder  zu, wie hier zu Lande zum Beispiel das Comeback von Ölheizungen zeigt.

Zum dritten: Inzwischen dämmert vielen Beobachtern, dass die politische und militärische Lage im Mittleren Osten so brisant geworden ist, dass Unterbrechungen in der Ölförderung einkalkuliert werden müssen. Das bedeutet, dass der Ölpreis aktuell eine höhere – und möglicherweise weiter steigende – Risikoprämie enthält als noch zu Beginn des Jahres.

 

Kurzfristige Rückschlagsgefahr

Es gibt also durchaus stichhaltig Gründe, dass das Scheitern des Doha-Treffens keinen nachhaltigen Rückgang des Ölpreises nach sich gezogen hat. Allerdings ist keineswegs gewährleistet, dass die Situation in nächster Zeit so stabil bleibt, wie sie im Moment ist. Beispielsweise hat Saudi Arabien damit gedroht, bis zu eine Million Barrel pro Tag zusätzlich auf den Markt zu werfen. Andere große Ölstaaten wie Russland bauen ihre Förderung weiter aus.

Die Engagements von Spekulanten am Ölmarkt mahnen ebenfalls zur Vorsicht. Nach dem kräftigen Ölpreisanstieg seit Mitte Januar haben viele „Player“ ihre Positionierung geändert. Short-Positionen (Spekulation auf fallende Ölpreise) wurden stark abgebaut, Long-Positionen (Spekulation auf steigende Preise) kräftig erhöht. Über kurz oder lang wird es daher zu Gewinnmitnahmen kommen, die den Ölpreis drücken werden.

 

Langfristig höhere Ölpreise wahrscheinlich

Auf lange Sicht ist jedoch eindeutig mit höheren Notierungen für den noch immer immens wichtigen Rohstoff zu rechnen. Schließlich sind die Investitionen in neue Förderprojekte massiv eingebrochen. Daher wird ab 2017 die Ölproduktion beschleunigt sinken. Prognostiker sagen denn auch für nächstes Jahr einen weiteren Anstieg des Ölpreises Richtung 60 Dollar voraus.

Vor diesem Hintergrund sind Ölaktien für Anleger wieder interessant geworden. Sie konnten seit dem Januar-Tief des Ölpreises zwar bereits deutliche Kurssteigerungen verzeichnen, haben aber noch Potenzial nach oben, nicht zuletzt auf Grund hoher Dividendenrenditen.

 

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