Währung

 

Es ist schwierig, vom wahrscheinlichen Präsidentschaftskandidaten der Republikaner Donald Trump ernsthafte Aussagen zur Wirtschaftspolitik zu erhalten. Manche behaupten, er sei eine Art Zufallsgenerator, was Ideen betrifft. Er verkündet eine Menge verschiedener Politikpläne, die sich oft widersprechen. Sobald einer seiner Vorschläge kritisiert wird, bietet er das genaue Gegenteil an. Beispielsweise forderte er den Abbau des staatlichen Budgetdefizits, aber auch eine Ausgabenerhöhung und Steuersenkungen.

Unter der Vielzahl von Vorschlägen Trumps sind einige, die von anderer Seite in den USA nicht zu hören sind. Interessant ist beispielsweise seine Äußerung zur öffentlichen US-Verschuldung. So schlug er zuerst einen Staatsbankrott für Amerika vor – eine Idee, die auf allgemeine Ablehnung stieß, da ein Staatsbankrott überaus schädlich für die Wirtschaft des betroffenen Landes ist. Sogar diejenigen, welche die Staatsverschuldung als Problem betrachten, lehnen einen Staatsbankrott als Lösung ab. Die Tatsache, dass die Bondrenditen nach Trumps Äußerung nicht stiegen, zeigt, dass an den Finanzmärkten niemand glaubt, Trump hätte auch  nur den Hauch einer Chance, mit einer solchen Forderung durchzukommen.

 

Trumps Vorschlag ist keine graue Theorie

Und siehe da: Eine Woche später revidierte Trump seine Ansichten und schlug vor, die Notenbank Fed solle einfach Geld drucken und die Staatsschulden zurückzahlen, ein Staatsbankrott sei also gar nicht nötig. Interessanterweise liegt Trump in diesem Punkt richtig. Manche Leute meinen, dass diese Möglichkeit nur Länder haben, die in ihrer eigenen Währung Schulden machen. Richtig ist aber, dass dies jedes Land tun kann, das eine Notenpresse besitzt und Zugang zum Devisenmarkt hat. Angenommen, die Schulden sind in Euro aufgenommen und das Land kann – wie die USA – Dollars drucken; dann druckt man eben Dollars, tauscht sie auf dem Devisenmarkt in Euro um und zahlt seine Euro-Schulden zurück. Erst wenn ein Punkt erreicht ist, an dem das Ausland keine Dollars mehr akzeptiert, droht der Staatsbankrott. Und wenn die Schulden in der eigenen Währung denominiert sind, reicht die Notenpresse allein, um alle Staatsschulden zurückzuzahlen.

Eine ganz andere Frage ist natürlich, ob das eine gute Idee ist. Viele Volkswirte vertreten die Ansicht, dass die Inflation befeuert wird, wenn die Notenpresse heiß läuft. Das leuchtet ein, denn wenn man das Angebot von etwas erhöht, sinkt üblicherweise dessen Wert – und Inflation ist ein Rückgang des Wertes einer Währung, gemessen in realen Gütern. Daher wird befürchtet, dass die Rückzahlung der amerikanischen Staatsschulden über die Notenpresse eine Inflationsspirale in Gang setzen könnte. Jeder erhöht die Preise, weil er befürchtet, dass alle anderen die Preise erhöhen. Das Ganze könnte dann in einer Hyperinflation enden, in deren Verlauf die Währung wertlos wird und die Wirtschaft in den Ruin getrieben wird.

 

Fed hat nur begrenzten Einfluss auf Geldmenge in der Wirtschaft

Allerdings glauben heute viele Leute, dass die Gefahr einer Hyperinflation geringer ist als Ökonomen in der Vergangenheit behaupteten. In Wahrheit kann die Notenbank die Geldmenge gar nicht steuern, sie wird letztlich durch die Geschäftsbanken bestimmt. Wird nämlich das zusätzliche Geldangebot der Fed dadurch ausgeglichen, dass die Banken der Wirtschaft Geld entziehen, kann das Drucken von Geld fast mit Sicherheit zu keiner Hyperinflation führen. Exakt das war in den vergangenen Jahren zu beobachten: Die Fed erhöhte die Zentralbankgeldmenge – die sogenannte Geldbasis – durch Wertpapierkäufe im Rahmen ihrer Quantitative-Easing-Programme in gewaltigem Ausmaß, doch das Geldangebot in der Wirtschaft stieg nur moderat und relativ stetig.

Selbst wenn das Geldangebot in der Wirtschaft steigt, muss das nicht zu Inflation führen, da die Verbraucher ihr Geld weniger häufig ausgeben könnten, was den Preisauftrieb tendenziell dämpft. Dies war in jüngster Zeit der Fall: Mehr Geld im Wirtschaftskreislauf hat zu einem Rückgang der Häufigkeit geführt, mit der es ausgegeben wird. Die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes ist also gesunken.

 

Erwartungen können sich schnell ändern

Manche Leute denken, dieser Mechanismus könne auf Dauer funktionieren, dass die Fed weiter Geld drucken könne, um die öffentlichen Schulden zurückzuzahlen, während die Banken das Zentralbankgeld in ihren Tresoren bunkern und damit die Inflation im Zaum halten. Das mutet reichlich naiv an. Schließlich ist Hyperinflation – ähnlich wie ein Börsencrash – ein Phänomen, das in hohem Maße von den Erwartungen der Menschen abhängt. Wenn jeder denkt, dass die anderen ihr Geld nicht ausgeben, bleibt die Inflation niedrig. Aber wenn einige Leute anfangen zu glauben, dass andere zu shoppen beginnen und ihr Gespartes auszugeben, werden sie das Gleiche tun wollen, um Güter zu kaufen, bevor deren Preise nach oben gehen. Damit wird Inflation zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung.

Die Erfahrung lehrt, dass sich Erwartungen sehr rasch und in fataler Weise ändern können. Das heißt: Obwohl die Gefahr einer Hyperinflation im Moment sehr gering zu sein scheint, könnte sich das unter einem Präsidenten Donald Trump ändern. Würde er mit Erfolg Druck auf die Fed ausüben, dauerhaft Staatsschulden zu monetisieren, könnten sich die Erwartungen plötzlich umdrehen – und die Inflationsraten nach oben schießen.

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