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Die Stärke des Dollars war wohl vor allem amerikanischen Industriekapitänen ein Dorn im Auge. Deshalb war es nur eine Frage der Zeit, bis die USA versuchen, diesem Trend Einhalt zu gebieten. Gut möglich, dass es beim letzten Treffen der G20 in China im Februar so weit war. Jedenfalls wird an den Märkten gemunkelt, dass es in Shanghai zu einer informellen Absprache zwischen den beteiligten Regierungen kam, eine weitere Aufwertung des Dollars zu bremsen.

Im Zusammenhang mit den gravierenden Wechselkurs-Bewegungen der vergangenen Jahre war immer wieder das Wort „Währungskrieg“ zu hören. Dass tatsächlich ein solcher in Gang war (und möglicherweise noch ist), erkennt man daran, dass viel darüber gesprochen wird, aber keiner zugeben will, dass er selbst zu den „Kriegern“ gehört. Politiker und Notenbanker wenden eine gehörige Portion Energie auf, um zu betonen, dass sie selbst sich selbstverständlich nicht an einem Abwertungswettlauf beteiligen – während sie gleichzeitig nicht müde werden zu behaupten, dass die anderen genau das machen.

 

Den Nachbarn nicht zum Bettler machen

So hat vor wenigen Tagen EZB-Direktor Yves Mersch davor gewarnt, sich über die Abwertung der Währung Vorteile im Handel zu verschaffen. Es sollte keine Abwertungen aus Wettbewerbsgründen geben, sagte Mersch dem Fernsehsender CNBC in einem Gespräch. „Und die Regionen, die sich bereits mehr auf der sicheren Seite befinden, was sowohl Wachstum als auch Inflation betrifft, sollten nicht versuchen, ihre Währungen herunter zu reden.“ Es dürfe keine Politik geben, den Nachbar zum Bettler zu machen. Pikanterweise hatte Mervyn King, ehemals Chef der Bank of England, erst kurz davor in einem Interview behauptet, dass sowohl die Eurozone als auch Japan versuchen, ihre Währungen zu schwächen.

Der Chef der indischen Zentralbank, Raghuram Rajan, hatte kürzlich in einem Zeitungsartikel ein neues Bretton-Woods-Abkommen gefordert, um einen Abwertungswettlauf zu verhindern, der letztlich keinem der Beteiligten nutze. Kurz darauf drückte sich Australiens Notenbank-Gouverneur Glenn Stevens ähnlich aus, obwohl der US-Vertreter im Internationalen Währungsfonds (IWF) im September vergangenen Jahres die Besorgnis geäußert hatte, dass Australien versucht, seine Währung bewusst nach unten zu reden.

 

Vorbild Plaza-Accord von 1985

In Kontrast zur Forderung Rajans zur Notwendigkeit der Koordination der Wechselkurse stehen die Aussagen anderer Offizieller, dass es keine Absprache über Währungen gegeben habe, einschließlich Chinas Finanzminister Lou Jiwei, der die Idee als „Fantasie“ abtat. Paul Mortimer-Lee, Chefvolkswirt von BNP Paribas, vermutet, dass sich die G20-Länder in einem „maßvollen Währungskrieg“ befinden, ohne explizite Koordination.

Der Chefökonom von PIMCO, Joachim Fels, sieht das anders. Er glaubt, dass es eine Art geheimen „Shanghai Accord“ gegeben habe, der auf eine Schwächung des Dollars abzielt, ähnlich dem Plaza-Accord von 1985. Damals einigten sich die G5-Staaten in diesem Abkommen darauf, durch kontrollierte Einflussnahme auf die internationalen Devisenmärkte eine Abwertung des Greenbacks gegenüber D-Mark und Yen zu erreichen. Aktuell soll jedoch eher die Geldpolitik eingesetzt werden, um die Wechselkurse behutsam in die richtige Richtung zu lenken und nicht Devisenmarkt-Interventionen, also Dollar-Käufe und Verkäufe.

Auf eine Absprache könnten auch der Rückzieher der US-Notenbank Fed in Bezug auf die Anzahl der für dieses Jahr geplanten Leitzins-Anhebungen hindeuten (was tendenziell für einen schwächeren Dollar spricht) sowie der Hinweis der Europäischen Zentralbank (EZB), dass sie die Zinsen noch stärker in den negativen Bereich senken könnte (was tendenziell für einen stärkeren Euro spricht).

 

Schwächerer Dollar gut für die globale Konjunktur

Ob es nun in Shanghai eine Absprache gab oder nicht, Tatsache ist, dass der Dollar seitdem nachgegeben hat. In den vergangenen zwei Jahren hatte sein mit den wichtigsten US-Handelspartnern gewichteter Außenwert rund ein Viertel zugelegt. Für all diejenigen, deren Hoffnungen für eine bessere Weltkonjunktur darauf beruhen, dass die US-Wirtschaft kräftig wächst, ist der jüngste Rückgang des Dollar-Außenwerts eine gute Nachricht.

Mag sein, dass Zweifel an der Fed, die Zinsen weiter anzuheben, zu diesem Rückgang beigetragen haben. Aber ob es beim G20-Treffen tatsächlich eine Absprache gab oder ob einfach Zufall im Spiel ist – eine Feuerpause im globalen Währungskrieg ist so oder so positiv. Es kann nun mal nicht jedes Land zur gleichen Zeit die schwächste Währung haben. Und der trübe konjunkturelle Ausblick für die Eurozone ist ein Beispiel dafür, wie sehr Regierungen notwendige Reformen unterlassen, wenn man zu stark darauf setzt, über eine schwache Währung die Exporte anzuschieben.

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